• Buchcover Lebensplan - Meine Zeit mit Luise - Barbara Kaminski

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Leseprobe Schwangerschaft


Die Schwangerschaft mit Luise kam für uns sehr überraschend, da sie sich so schnell und problemlos einstellte. Wenn man bedenkt, dass uns Jahre vorher die Ärzte prophezeiten, wir würden auf natürlichem Wege NIE ein Kind erwarten, waren wir doch überglücklich, als ich merkte, dass ich wieder schwanger war.
Die erste Untersuchung bei der Frauenärztin verlief jedoch schon ziemlich seltsam. Ich hatte alle Daten parat: Tag der letzten Periode, Zyklusdauer, Tag der Konzeption und habe mir somit den voraussichtlichen Entbindungstermin ausgerechnet. Die Ärztin rechnete zwar das gleiche aus, meinte aber, dass der Fötus für die 8. Woche viel zu klein sei und änderte eigenmächtig den errechneten Termin um vom 14. Oktober auf den 21. Oktober. Das Ganze bekräftigte sie mit einem Eintrag in den Mutterpass, dass meine Periode unregelmäßig sei, was überhaupt nicht stimmte. Ich sprach sie zwar darauf an, doch sie wollten den Termin einfach nicht ändern, zumal sich dieser durch die Berechnungen meines zweiten Besuches bestätigte. Diese eigenmächtige Bevormundung fand ich anmaßend und es gefiel mir nicht, dass sie mich wie ein unmündiges, kleines Mädchen behandelte.
Rückblickend wäre es nach meiner Ansicht richtiger gewesen, wenn sie den errechneten Termin belassen hätte, aber mittels Anmerkung auf die Retardierung, also das verzögerte Wachstum meines Kindes, hingewiesen hätte.

Wir stimmten einer Untersuchung zu, die die Nackenfalte des Babys misst und die auf eine Chromosomenstörung des Babys hinweisen könnte. Bei der Schwangerschaft mit Anna wurde diese Untersuchung automatisch mal eben so mitgemacht. Also dachten wir uns bei der zweiten Schwangerschaft gar nichts dabei. Die Frauenärztin meinte, dass laut Ultraschall-Untersuchung das Baby 100 von möglichen 100 Punkten erhalten habe und ich somit durch den Bluttest kaum eine Befürchtung haben brauche.
Einige Tage später rief sie mich an und erzählte mir, dass ich nun laut Blutuntersuchung ein erhöhtes Risiko hätte, ein behindertes Kind zu haben. Sie rate mir nun wirklich zu einer Fruchtwasseruntersuchung. Da sie wusste, dass wir pränatale Diagnostik und insbesondere eine Fruchtwasseruntersuchung strikt ablehnten, reagierte ich erstmal sauer auf ihren Vorschlag und war aber trotzdem auch ein wenig verwirrt. Sie redete auf mich ein und empfahl mir ganz dringend, zumindest eine große Ultraschall-Untersuchung vornehmen zu lassen. Dabei könnte man die einzelnen Organe meines Babys besser untersuchen und genauere Rückschlüsse ziehen. Ich versprach, es mir gründlich zu überlegen und mich auch mit Berthold zu besprechen.

Zuerst waren wir beide verwirrt. Statistisch gesehen wurde das Risiko, ein behindertes Kind zu gebären immer größer, je älter die Schwangere war. Nach dieser Statistik gab es einen Prozentsatz, der angab, wie viele Schwangere im Alter von 41 Jahren ein behindertes Kind zur Welt bringen. Durch die bei mir erfolgte Untersuchung war nun das Risiko deutlich angestiegen. Ja, und was heißt das nun konkret für uns? Ist mein Baby krank oder nicht? Das konnte man nur durch spezielle Untersuchungen belegen, die ich nicht wollte. Demzufolge blieb mir nur ein rein statistischer Wert, mit dem ich umgehen musste. Da für uns ein Abbruch nicht in Frage kam, wollten und brauchten wir keine Fruchtwasseruntersuchung. Eine Untersuchung, wie diese empfohlene große Ultraschalluntersuchung, war ebenso keine Möglichkeit, uns in irgendeiner Weise zu beruhigen. Ich hatte schon die Warnungen im Ohr, sollten wir Ergebnisse erzielten, die von der Norm abweichen. WER entscheidet über die Norm? Es geht doch hier nicht um ein Gütesiegel für ein Ei einer freilaufenden Henne, die gesundes Getreide frisst. Es geht doch um einen Menschen, den ich nicht genormt erleben will. Wie sollten wir mit den Ergebnissen dieser Untersuchung umgehen, falls sie nicht der Norm entspräche? Ziehen sie weitere (für uns sinnlose) Untersuchungen nach sich? Wir wollten uns nicht in einen Strudel hineinbegeben, aus dem wir eventuell nicht mehr herausfinden könnten.

Jetzt war für mich der Zeitpunkt gekommen, die Frauenärztin zu wechseln, da ich durch dieses Gespräch sehr verunsichert war und keine Lust hatte, meine Entscheidungen länger zu erklären oder gar zu rechtfertigen. Die nächste Frauenärztin riet mir zwar auch zur großen Ultraschalluntersuchung, respektierte aber schließlich meine Entscheidung dagegen. Ebenso konnte sie annehmen, dass ich selber entschied, den Zuckerbelastungstest nicht durchzuführen. Ich wollte nicht immer alles so widerspruchslos hinnehmen und brav alle angebotenen und mir oftmals unsinnig scheinenden Untersuchungen mitmachen. Der Zuckerbelastungstest war während meiner ersten Schwangerschaft blendend ausgefallen, und ich ernährte mich sehr bewusst. Somit sollte ich nichts befürchten und verzichtete auf den Belastungstest. Außerdem möchte ich auch manches selber entscheiden und trage dann auch die Verantwortung.
Das nagende und unsichere Gefühl blieb zurück.