• Buchcover Lebensplan - Meine Zeit mit Luise - Barbara Kaminski

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Leseprobe Tod

Abends bestellten wir uns ein Essen, das wir aber fast nicht anrühren konnten. Wir wollten lieber nahe bei Luise sein und setzten uns zu ihr an die Couch. Anna musste ins Bett und wir brachten sie hoch. Wir zogen ihr den Schlafanzug an und machten sie bettfertig. Dann wollte sie zu Lu-Baby, um ihr eine gute Nacht zu wünschen. Also trugen wir sie runter und sie hauchte Luise einen Kuss auf die kalte Stirn. Dann patschte sie ihr noch ein wenig mit ihrer Hand auf die Stirn und ging wieder mit uns hoch. Das wiederholte sich noch zweimal, bis sie endlich in unserem Bett einschlief.
Berthold und ich setzten uns runter zu Luise. Ich zündete die Kerze von Mechthild, Annas Patin, an, die diese für Luise gebastelt hatte. Außerdem brannte Luises Taufkerze. Im Kerzenschein betrachtet wirkte Luises wächserne Haut noch zerbrechlicher. Sie war so schön, wie sie da lag. Man konnte erkennen, dass sie friedlich aussah und ein klein wenig spitzbübisch lächelte.
Nun besprachen wir beide, wie wir die Nacht gestalten wollten. Wir wünschten uns, dass Luise in der Nacht nicht alleine hier liegen sollte und so teilten wir uns die Nacht auf. Zuerst wollten wir die nächsten drei Stunden gemeinsam bei ihr sein, danach blieb jeweils einer von uns drei Stunden mit ihr allein.
Es kam einiges zur Sprache in den drei gemeinsamen Stunden. Das wichtigste Thema war, wie Luise morgen zum Bestatter gebracht werden sollte. Wir überlegten, ob es eine Möglichkeit wäre, dass einer zu Hause mit dem Bestatter sein sollte, während der andere mit Anna zum Spielplatz ging. Doch wer sollte welchen Part übernehmen – beides erschien uns sehr schwer. Wir wussten nicht, wie Anna reagieren würde, wenn Luise in einen Sarg gelegt wird und jemand Fremdes sie dann mitnimmt.
Meine drei Stunden begannen. Ich betete wie bereits im Krankenhaus den Rosenkranz. Auch jetzt entschied ich mich für die freudenreiche Variante. Ich schaffte es ein bisschen, Luise zurückzugeben, loszulassen. Es fiel mir sehr schwer, aber es ging. Sicherlich war dafür hilfreich, dass wir die verschiedenen Stationen mit ihr hatten: Zuerst kam der Tag, an dem uns mitgeteilt wurde, wie krank sie war. Da begann bereits das Abschiednehmen. Als sie zum zweiten Mal ins Krankenhaus musste und knapp dem Tod entging, waren wir wieder ein Stückchen näher an den

Luise hatte mir meinen innigsten Wunsch erfüllt und ist in meinem Arm gestorben. Mir kam in den Sinn, dass ich mit ihr nicht diese tolle Erfahrung der Geburt erlebt hatte. Mit Anna war es ein Ereignis, das ich nie mehr vergessen werde. Immer wieder erinnere ich mich an jede noch so kleine Einzelheit.
Bei Luise war dieses Erlebnis durch den Kaiserschnitt nicht möglich. Allerdings hat sie mich an ihrem zweiten wichtigen Ereignis in ihrem Leben teilhaben lassen. Ich durfte sie zwar nicht bei ihrer Ankunft begleiten. Aber sie teilte mit mir den Augenblick ihres Abschieds. Ich werde nie wieder diese wertvollen, intensiven Minuten vergessen!
In dieser Nacht nutzte ich die Zeit, um mich bei Luise für einige gedachte und ausgesprochene Gedanken zu entschuldigen. Manchmal fühlte ich mich nicht gut und zweifelte daran, ob ich alles so schaffen werde. Ich wünschte mir in einem kurzen Augenblick sogar einen schnellen Tod von Luise herbei, um noch eine Chance zu haben, ein weiteres Kind zu bekommen.
Dies alles wollte ich ihr sagen und mich von ganzem Herzen bei ihr entschuldigen. Ich hielt sie immer wieder fest im Arm und streichelte ihren kalten Körper.
Berthold löste mich ab und schickte mich energisch ins Bett, damit ich auch ein wenig zur Ruhe kommen konnte. Er verbrachte seine Zeit mit ihr und tat dies auf seine individuelle Weise. Morgens weckte mich Berthold und er sagte mir, dass ihm eine Lösung unseres Problems eingefallen sei: Er werde Luise selbst zum Bestatter fahren, dann müsse dieser nicht hier vorbeikommen. Das schien die richtige Lösung für uns zu sein. Aber ich wollte noch nicht, dass sie uns verlässt. Immer wieder saß ich bei ihr und schaute sie mir an. Ich wollte mir ihr Gesicht in allen Einzelheiten einprägen, bald war sie fort und ich konnte nichts mehr nachholen.

Zur Mittagszeit haben wir Luise für ihre letzte Reise vorbereitet. Ich habe ihr noch ein von mir gestricktes Jäckchen und eine Mütze angezogen. Dann habe ich sie in den Tragesitz gesetzt und sie unter Tränen hinaus ins Auto getragen. Auf dem Rücksitz habe ich sie festgeschnallt. Dann habe ich sie mir nochmals lange angeschaut. Schließlich habe ich Anna auf den Arm genommen und Berthold ist langsam weggefahren. Anna hat dem Auto nach gewunken und ich fühlte mich unglücklich, traurig und leer. Ich weinte bitterlich und winkte ebenfalls dem Auto nach. Da fuhr sie nun davon, ohne mich.